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INA VÖLKER

"Totaler Krieg" durch Metaphern? Eine kognitiv-linguistische Untersuchung der Sportpalastrede von Goebbels im Hinblick auf die Verwendung und Bedeutung von konzeptuellen Metaphern nach Lakoff und Johnson

Dieser Beitrag betrachtet die Sportpalastrede von Josef Goebbels im Hinblick auf das Vorhandensein von konzeptuellen Metaphern nach George Lakoff und Mark Johnson. Aufgrund der außergewöhnlichen Zuhörerreaktionen auf die Sportpalastrede und zahlreicher Vorwürfe, welche Goebbels die Manipulation und Beeinflussung seiner Zuhörer unterstellten, wurde für die Sportpalastrede ein Zusammenhang von Sprache und Kognition erwartet. Dieser Zusammenhang wurde in Form einer kognitiv-linguistischen Untersuchung ergründet. Das Ziel der Analyse war es, die Ursachen und Wirkungsmechanismen der von Goebbels verwendeten Metaphorik zu untersuchen, welche möglicherweise die Gesamtwirkung der Sportpalastrede erklären können. Es wurde die Annahme zugrunde gelegt, dass Metaphern eine Wirkung auf ihre Rezipienten ausüben und aus diesem Grund für die Gesamtwirkung der Rede mitverantwortlich gemacht werden können. Die Untersuchung konnte dabei verschiedenste Quell- und Zielbereiche identifizieren, auf denen die Metaphern der Sportpalastrede basieren. Gleichzeitig konnten bestimmte Funktionen der Metaphern herausgestellt werden, die aus der Verwendung dieser Quell- und Zielbereiche resultierten. Die Metaphern verstärkten das Gruppenbewusstsein der Zuhörer, nahmen der Wirklichkeit ihre Komplexität und konstruierten gleichzeitig eine bestimmte Realität. Zudem beinhalteten sie bestimmte Schlussregeln, die beim Verstehen der Metaphern mitgedacht werden sollten und führten letztendlich auf Basis der bestehenden Überzeugungen der Zuhörer zu den zustimmenden Zuhörerreaktionen. Die Untersuchung konnte herausstellen, dass von einer oft unterstellten Annahme der Manipulation durch Metaphern Abstand zu nehmen ist, da Goebbels nicht die Zustimmung an sich hervorgerufen hat, sondern diese ausschließlich durch sprachliches Geschick in ihrer Qualität und Quantität beeinflussen konnte. Insgesamt wurde konstatiert, dass verschiedene außersprachliche Faktoren die Wirkungsmacht von Metaphern determinieren, darunter beispielsweise vorhandene Wissensstrukturen der Zuhörer, soziale Situation, Angst vor Repressionen oder die Handlungsbereitschaft der Masse.


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Infos zum Beitrag:

  • Publikationsdatum
    01/2019
  • Bereich/Sektion/Forum
    Ideologieforschung
    Politisches Framing
    Studentisches Forum

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